Jahreskonzert am 1. Dezember 2012

Bericht vom Mi. 5. Dezember 2012 in der Badischen Zeitung, Bilder und Bericht: Elfriede Mosmann


 Ohrwürmer in Oberwinden

Unter der Leitung des kommissarischen Dirigenten Benjamin Schultis überraschte die Musikkapelle mit Höchstleistungen.

Alles war anders, und es war exzellent: Ein hochkonzentriertes Orchester und ein souverän agierender Dirigent gaben akustisch und optisch ein beeindruckendes Bild ab. Benjamin Schultis könnte als der "Einjahresdirigent" in die Geschichte der Kapelle eingehen, und zwar als ein herausragender. Denn so überzeugend und mit so viel Freude hat die Musikkapelle Oberwinden lange nicht musiziert.

Der 43-jährige erste Klarinettist Schultis hat sie zu Höchstleistungen ermuntert: Sein Dirigat glich dem eines Meisters. Die Freunde der Blasmusik des oberen Elztals verblüffte die Ausstrahlung des sonst eher bescheiden wirkenden Musikers, und sie sprachen darüber. "Er hat Charisma", sagte einer, und das spiegelte sich im Orchester wieder, das sich ebenfalls selbst überbot. Aus diesem Konzert gingen Alle bereichert nach Hause – der Dirigent und seine 50 Musikerkameraden, wie auch jene, die wegen dieses Debüts von weit her gekommen waren.

Die adventlich gestaltete Halle war bis auf den letzten Platz besetzt, die Spannung im Raum stieg von Anfang an. Es knisterte voller Erwartung, als die Musikerinnen und Musiker von vier Seiten kamen und mit Applaus empfangen wurden. Vorausgegangen war ein stilles Gedenken an die 14 Toten der Caritas Behindertenwerkstätte in Titisee-Neustadt.

Was dann geboten wurde, war ausgesuchte und anspruchsvolle Blasmusik, zu der Birgit Dorer mit wohldosierten Worten hinführte. Die erlesenen Kompositionen ließen Besucher in das Leben der Menschen anderer Länder und ihrer Geschichte hineinhören: Das der Engländer, US-Amerikaner, Spanier und Südamerikaner. Nicht zu überhören waren die Farbtupfer der Solisten, im Besonderen von Reiner Dorer auf dem ersten Klarinettenstuhl. Einen markanten Eindruck vermittelte "Sedona", das Bild einer amerikanische Stadt und Landschaft mit Fanfarenklang und reizvollem Zwiegespräch unter den Holzbläsern bis das Orchester sein gesamtes Klangvolumen ausströmte. "Sea Songs", Seemannslieder mit Volksliedcharakter, sind nicht überall zu hören, und nicht einfach zu spielen, aber hier gekonnt. Es wurde lebhafter im Orchester. Die interessante Komposition "Imagasy" von Thiemo Kraas verlangte auch den Solisten ihren Teil ab, Pinselstriche einer fantasievollen Tonmalerei auf Tenorhorn oder Bariton samt der Trompete, ein Stück der Extraklasse, toll gemeistert. Mit "Greensleeves" war eine englische Volksliedmelodie aufgeschlagen, da gefielen auch die Flötensoli gut, und mit "Circumstance No 4", typisch britisch und populär im Viervierteltakt, ist mit dem Trioteil eine der bekanntesten Hymnen großartig herübergekommen.

Im zweiten Teil gab "Spanish Fever" die Richtung vor, temperamentvoll im Flamengo-Stil, kommt es heiß und kalt vom Trompetenregister und den sechs Schlagwerkern. Dann war der Walzer von Emile Waldteufel ein Ohrwurm im Dreivierteltakt, leicht beschwingt, ausgefeilt und gefällig gespielt, und als Gegensatz folgte "Os Passaros do Brasil", von Kees Vlak, in drei Sätzen, die das Leben der verschiedenen Menschen charakterisieren. Auch das war wieder eine Aufforderung an Solisten besonders an Peter Stratz auf Congas und Bongos. Das schwierigste Stück hat der Dirigent an den Schluss gesetzt. "Danzon No 2" von Arturo Marquez, eine faszinierende Komposition, die Lebendigkeit ausstrahlte,Trompeten mit Dämpfer oder fetzig, da und dort überraschende Soloeffekte, den Klavierpart spielte Ralf Wolter von der Musikschule Emmendingen. Taktwechsel und der eine oder andere Hüpfer des Dirigenten auf dem Podest, alles war aufgeboten in diesem Stück, in dem Orchester und Solisten sich noch einmal selbst überboten haben. Der Dirigent durfte nach zwei Zugaben den anhaltenden Applaus auch für sich verbuchen. Einer der nur aushelfen wollte, ohne jede Gage, versteht sich, wurde zum Star. Mit diesem Konzert ist die Messlatte hoch gelegt für einen Bewerber.

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